Segensfeiern

Die Gestaltung von Segensfeiern – ein Text von Benjamin Leven aus „praxis gottesdienst“

Das Benediktionale bietet Segensfeiern, die oft aus zahlreichen Elementen bestehen: Schriftlesungen, Antwortgesänge, Fürbitten. Aus diesen Elementen kann dem Anlass entsprechend ausgewählt werden. Kern ist das eigentlich Segensgebet. Auch wenigstens ein kurzes Schriftwort sollte nicht fehlen (Benediktionale, Pastorale Einführung, 22). Eine „Dank- und Segensfeier“ für verschiedene Anlässe im Kreis der Familie oder der Haus-gemeinschaft findet sich auch im „Gotteslob“ (GL 27).

„Der Mensch bedarf der Zeichen. Er vollzieht sein Leben nicht nur in Worten, sondern auch in Gebärden, in denen er sich ausdrückt und durch die er angesprochen wird besonders in seinen tieferen seelischen Bereichen. Auch in einer industrialisierten, wissenschaftlich und technisch rationalen Welt drückt er in Zeichen Verbundenheit, Hoffnung und festliche Freude aus. Wenn sie fehlen, verarmt das menschliche Leben. Ebenso erfahren und bezeugen die Menschen ihren gemeinsamen Glauben in Zeichen, Segnungen als heilige Zeichen geben daher, besonders wenn sie festlich gestaltet werden, dem Glaubensleben in Familie und Gemeinde eine vielfältige Ausdrucks- und Anziehungskraft.“ (Benediktionale, Pastorale Einführung, 12).

„Er segne die Felder, die Gärten und den Wald...“

Segensfeiern im Frühling und im Sommer

Segnungen begleiten das kirchliche Leben das ganze Jahr hindurch. Doch Im Frühjahr und im Sommer, wenn die Natur erwacht ist und sich das öffentliche Leben stärker im Freien abspielt, sind die Anlässe für kirchliche Segnungen besonders zahlreich. In dieser Zeit des Jahres erinnert die erblühende Schöpfung an das Paradies. Der Theologe Athanasius Wintersig (1900-1942) hat das einmal in poetischen Worten ausgedrückt: „Wohl erneuert sich in jedem Jahr, wenn der Frühling ins Land zieht, etwas von dem, was des Menschen Los eigentlich hätte sein sollen: Genuss einer schönen Gegenwart mit der Aussicht auf eine noch schönere Zukunft. Das sehende Auge des Dichters schaut dann überall Engel, die Samen streuend die Fluren auf und ab wandeln. Und wo ihr Fittich die Erde streift, da sprossen bunte Blumen und grüne Kräuter. Danach kommt eine stille Zeit, die Tage des Wachsens und Reifens. Da geht der Herr selbst durchs Feld, und seine erhobenen Hände träufeln Segen. Dankbar empfängt der Mensch das Brot und den Wein und die Früchte der Bäume von ihm, von dem jede gute Gabe kommt.“
So sind die Segnungen Zeichen dafür, dass die geschaffenen Dinge „Gaben aus Gottes Hand“ sind, wie es im kirchlichen Segensbuch, dem Benediktionale, heißt. Zur alltäglichen Erfahrung gehört aber auch, dass es in der Welt Böses gibt, Leid, Unglücke und zerstörerische Kräfte. In den Segnungen bittet die Kirche darum Gott auch, „die schöpfungswidrige Macht des Bösen zu zerstören und die Dinge dieser Welt in die Ordnung der Schöpfung und des Heiles einzufügen“, so das Benediktionale.

Wettersegen

Um das Gedeihen der Feldfrüchte und die Abwehr von Unheil und Schaden geht es beim Wettersegen. Dieser wird vor allem in ländlichen Gegenden im Frühling und im Sommer im Anschluss an den Gottesdienst gespendet. Der traditionelle Zeitraum für den Wettersegen war die Zeit zwischen den Festen Kreuzauffindung (3. Mai) und Kreuzerhöhung (14. September) – ein Zeitraum, der hierzulande mit den Wachstums- und Erntephasen der Landwirtschaft übereinstimmt. Aus der Verbindung mit den Kreuzfesten stammt auch der Brauch, den Wettersegen mit der Kreuzpartikel (einer Kreuzreliquie in einem Zeigegefäß) zu geben. Das Fest Kreuzauffindung ist im Zuge der liturgischen Reformen der 60er Jahre untergegangen. Heute nennt das Benediktionale als Beginn das Fest des heiligen Markus (25. April), an dem früher Flurprozessionen üblich waren. Heute finden sich verschiedene Formen für den Wettersegen im Benediktionale (8) sowie im Messbuch (566, 568). Der Segen tritt an die Stelle des Schlusssegens der Messfeier. Den unterschiedlichen Gebeten gemeinsam ist die Bitte um den Schutz vor schädlicher Witterung und einen guten Ertrag von Gärten und Feldern.

Segnung der Felder, Weiden und Weingärten

Gärten, Felder, Weinberge und Weiden können auch an Ort und Stelle in einer besonderen Segensfeier unter den Schutz Gottes gestellt werden. Das Benediktionale (80) sieht zunächst eine Lesung oder ein passendes Schriftwort vor, z.B. „Der Herr spendet Segen, und unser Land gibt seinen Ertrag“ (Psalm 85, 13). Es folgt die Allerheiligenlitanei (Anhang IV) und schließlich ein Segensgebet. Der Zelebrant besprengt dann die Felder mit Weihwasser. Es folgt das Vaterunser. Mit einem Schlusssegen endet die Feier.

Segnung von Tieren

Im Kontext der Landwirtschaft hat auch die Segnung von Tieren Tradition. In der Segensfeier des Benediktionale (78) wird eine passende Lesung oder ein Schriftwort vorgetragen. Daran schließt sich an lobpreisendes Wechselgebet an. Es folgt das Segensgebet, das um den Schutz der Tiere vor Krankheit, Gefahr und schädlichen Einflüssen bittet. Danach werden in einer kurzen Litanei die Heiligen angerufen, die traditionell als Patrone der Landwirtschaft und besonders der Tiere gelten. Mit einigen Fürbitten, dem Vaterunser und einem Schlusssegen endet die Feier.

Segnung von Fahrzeugen

Der sommerliche Ferienbeginn ist vielfach Anlass für eine Fahrzeugsegnung. Die ausführliche Feier mit Wechselgebet, Lesung, Antwortpsalm, Ansprache, Segensgebet und Fürbitten, die das Benediktionale vorsieht (86), wird wohl meistens nicht verwendet werden, da es naheliegt, den Segen nach dem sonntäglichen Gottesdienst zu geben. Zumeist werden die vorbeifahrenden Fahrzeuge einfach mit Weihwasser besprengt.

Pilgersegen und Reisesegen

Frühjahr und Sommer sind beliebte Zeiten für eine Wallfahrt oder eine Pilgerreise. Alleine oder in Gruppen brechen viele Menschen zu nähergelegenen Wallfahrtszielen, aber auch zu weit entfernten heiligen Stätten wie Santiago de Compostela auf. Der Pilgersegen (Benediktionale, 25) erbittet die Reise der Pilger bzw. Wallfahrer den Schutz Gottes. Dabei kann der 122. Psalm gebetet werden: „Ich freute mich, als man mir sagte: ‚Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern.’...“.
Für Urlauber kann zudem zu Beginn der Ferienzeit der Reisesegen gespendet werden (Benediktionale, 26). Sehr populär ist der gesungene „Irische Reisesegen“, der auch in einige Eigenteile des „Gotteslob“ aufgenommen wurde. Der Reisesegen lässt sich auch mit der Fahrzeugsegnung kombinieren. Gestaltungshinweise für den Reisesegen finden sich auch auf www.praxis-gottesdienst.net.

Kräutersegnung an Mariä Himmelfahrt

Mitten im Hochsommer feiert die Kirche die Aufnahme Mariens in den Himmel. Seit alter Zeit gehört im deutschen Sprachraum zu diesem est die Segnung von Kräutern. Die Tradition nennt Maria mit dem Hohelied auch „Blume auf den Wiesen“ und „Lilie der Täler“ (Hld 2,1). Eine christliche Legende berichtet vom Grab Mariens, dem ein wunderbarer Geruch entströmte: Die Apostel öffneten das Grab und fanden nicht mehr den Leib der Mutter Christi vor, sondern duftende Blumen. Im Hochsommer stehen die meisten Heilkräuter in voller Blüte. Sie stehen für jenes Heilwerden an Leib und Seele, das Maria in ihrer Aufnahme in den Himmel bereits zuteil geworden ist. Die Segnung der Kräuter duch ein Gebet und das Besprengen mit Weihwasser erfolgt entweder als Abschluss des Wortgottesdienstes oder im Zusammenhang mit dem Schlusssegen (Benediktionale, 9). Informationen zur Kräutersegnung und Hinweise zur Zusammenstellung eines „Weihbüschels“ gibt es auf www.praxis-gottesdienst.net.

Segnung der Erntegaben

Im Herbst, wenn der Sommer vorbei und Gemüse, Getreide und Obst geerntet wurden, sind vielerorts Erntedankgottesdienste üblich. Der Segnung der Erntegaben kann in der Messe geschehen, aber auch in einem eigenen Wortgottesdienst (Benediktionale, 10). Auf www.praxisgottesdienst.net sind zahlreiche Gestaltungselemete für Erntedankfeiern abrufbar.

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