Berufe und Berufungen in der Kirche

Priester

DU hast vermutlich eine klare Vorstellung, was ein Pfarrer so zu tun hat. Du kennst ihn schließlich von den Gottesdiensten und aus dem Leben im Alltag der Pfarrei. Trotzdem gibt es viele Leute, die sich nicht so recht vorstellen können, was ein Pfarrer so außerhalb der Gottesdienste tut. Es gibt einen lockeren Spruch, der genau das bestätigt. Da heißt es: „Man müsste unter der Woche Pfarrer sein und am Wochenende Lehrer. Dann hätte man ein schönes, ruhiges Leben.“ So etwas können aber nur Leute sagen, die sich nicht so richtig auskennen. Denn zum einen arbeiten Lehrer durchaus auch am Wochenende, wenn sie etwa Unterricht vorbereiten oder Arbeiten korrigieren; und zum anderen haben natürlich auch Pfarrer unter der Woche vieles zu tun. Und da geht es um weit mehr als nur die Vorbereitung der Gottesdienste.

Man kann es so sagen: Ein Pfarrer tut alles, was zum Aufbau der Gemeinde beiträgt. Das heißt zuerst einmal ganz konkret, dass der Pfarrer tatsächlich für die vielen Gebäude, die gebaut, errichtet und erhalten werden wollen, (mit-)verantwortlich ist. Es ist aber v.a. im übertragenen Sinne gemeint: Der Pfarrer setzt sich für den geistlichen Aufbau der Pfarrei ein. Dazu gehört es, Trauernden beizustehen und sie zu begleiten, Gruppen und Gemeinschaften in der Gemeinde zu fördern und zu inspirieren – etwa auch die Minis und andere Jugendgruppen –, darauf zu achten, dass alle Aufgaben in der Pfarrei wahrgenommen werden – vom sozialen und diakonische n Einsatz in der Gemeinde bis hin zur Katechese f ür die Kommunionkinder oder bei der Firmung. Dann begleitet er auch noch die Arbeit des Pfarrgemeinderates und anderer Gremien. Außerdem ist der Pfarrer für den oder die Kindergärten, für Altenheime, die von der Kirche betrieben werden und natürlich – und das ist ganz wichtig – für die Spendung der Sakramente verantwortlich. Oftmals gibt er auch noch Schulunterricht. Darüber hinaus gibt es viele andere Aufgaben, wie etwa im Bereich der Ökumene oder bei Projekten zur Glaubensvertiefung.

Es ist, wie ihr nun bestimmt schon gemerkt habt, auf jeden Fall eine ganz vielfältige Aufgabe, die weit über das hinausreicht, was man im Gottesdienst erlebt, und bei der man auch eigene Schwerpunkte setzen kann – je nach persönlichen Fähigkeiten. Und es kann einen erfüllen, zu erfahren, wie wertvoll es ist, anderen beizustehen, die Hilfe brauchen oder durch das Schaffen guter Bedingungen auch „nur“ dafür zu sorgen, dass Bedürftige Unterstützung erfahren.

Es ist, wie ihr nun bestimmt schon gemerkt habt, auf jeden Fall eine ganz vielfältige Aufgabe, die weit über das hinausreicht, was man im Gottesdienst erlebt, und bei der man auch eigene Schwerpunkte setzen kann – je nach persönlichen Fähigkeiten. Und es kann einen erfüllen, zu erfahren, wie wertvoll es ist, anderen beizustehen, die Hilfe brauchen oder durch das Schaffen guter Bedingungen auch „nur“ dafür zu sorgen, dass Bedürftige Unterstützung erfahren.

Gemeindereferent/in bzw. Pastoralreferent/in

Je nach Bistum spielen auch Gemeinde- oder Pastoralreferent/innen im Leben der Gemeinde eine wichtige Rolle.
Den Beruf des Gemeinde- oder Pastoralreferenten gibt es noch gar nicht so lange. Er ist erst nach dem II. Vatikanischen Konzil entstanden, weil die Kirche dort neu erkannt hat, dass alle Christen und nicht nur Priester in der Gemeinde wirken können. Es wurde dabei aufgegriffen, was es im Beruf der Gemeindehelferin schon eine Zeitlang vorher gab und in diesen beiden neu gestalteten Berufen in eine Form gebracht. Die Bezeichnungen für diesen Beruf unterscheiden sich allerdings je nach Bistum, manchmal gibt es auch beide Berufsformen in einem Bistum.

Bei den Gemeindereferent/innen ist am einfachsten zu erklären, welche Aufgaben sie haben, weil das bei ihnen schon im Namen drinsteckt. Sie sind dafür da, die Seelsorge in der Gemeinde zu unterstützen. Ganz oft leiten und organisieren sie die Vorbereitung auf den Empfang der Sakramente, von der Taufe (hier führen sie z.B. vorbereitende Gespräche mit den Eltern und Paten) bis hin zur Firmung und natürlich auch bei der Erstkommunion (dabei begleiten sie zum Beispiel die Katecheten der Firm- bzw. Kommunionvorbereitungsgruppen). Sie haben in der Regel eine praktische Ausbildung, in der sie gelernt haben, die Inhalte des Glaubens konkret zu erschließen und zu vermitteln.
Demgegenüber haben Pastoralreferent/innen – wie auch der Pfarrer – ein Theologiestudium an der Universität absolviert und sind daher vor allem dafür ausgebildet, die Inhalte des Glaubens zu vermitteln. Dies tun sie z.B. in Glaubenskursen oder Seminaren oder in theologischen Schulungen für einzelne Gruppen in der Gemeinde, etwa für Lektoren und Kommunionhelfer.

Ursprünglich wurden Pastoralreferent/innen in der Regel für übergeordnete Aufgaben etwa im Dekanat, einer Regionalstelle oder im Seelsorgeamt eines Bistums eingesetzt. Aber das hat sich in vielen Diözesen in der Zwischenzeit etwas geändert, weil es auch für die Pfarreien und Seelsorgeeinheiten wichtig ist, dass sie von Pastoralreferent/innen unterstützt werden. Die Aufgabenfelder von Gemeinde- und Pastoralreferent/innen sind heute meist nicht mehr so klar voneinander abgegrenzt. Es kann also sein, dass bei Euch eine Pastoralreferentin für die Erstkommunionvorbereitung zuständig ist. Meistens wird in einem großen Pastoralteam heute vor allem darauf geachtet, wer wo besondere Fähigkeiten und Stärken hat. Und dann werden die Mitarbeiter/innen entsprechend eingesetzt. Wenn etwa ein Gemeindereferent ein guter Musiker ist, kann es sein, dass er in der Gemeinde z.B. auch mal eine Band leitet.
In vielen Gemeinden übernehmen Pastoral- und Gemeindereferent/innen auch die Leitung von Wortgottesdiensten und halten Beerdigungen. Zudem geben viele Religionsunterricht an einer Schule.

Diakon

Auf dem II. Vatikanischen Konzil, das vor etwa 50 Jahren zu Ende ging, legten Bischöfe aus der ganzen Welt den Kurs der Kirche für die folgende Zeit fest. Dabei wurde auch ein Dienst der Kirche wieder neu entdeckt, den es eigentlich schon zu Beginn der Kirche gegeben hatte, der dann aber etwas in Vergessenheit geraten war: der Dienst des Diakons.
Seine Aufgabe ist es vor allem, für die sozialen Belange der Pfarrei einzutreten. Die Begleitung von Kranken, der Einsatz für Menschen am Rande der Gesellschaft, die Sorge für die Armen am/im Ort: all das fällt in seinen Bereich. Aber auch Beerdigungen, Taufen und Hochzeiten kann ein Diakon übernehmen.

Natürlich kann auch er nicht immer alles allein leisten – und deshalb ist es gut, dass es ein Team von vielen Menschen in der Gemeinde gibt –, aber er hat bei seinen Tätigkeiten den besonderen Schwerpunkt, darauf zu achten, dass die Menschen, die schwächer und ärmer sind, nicht aus dem Blick fallen. Wie leicht kann es passieren, dass man auch in der Pfarrei nur noch mit denen befreundet sein will, die einem ohnehin nahestehen oder sympathisch sind oder die aus der gleichen gesellschaftlichen Schicht kommen wie man selbst. Da ist es die besondere Aufgabe des Diakons, darauf zu achten, dass genau dies nicht passiert und dass man nicht blind wird für die Not, die es in jeder Seelsorgeeinheit gibt. Das kann eine materielle, aber auch eine seelische Not sein. Wichtig ist, dass man nicht wegsieht und dass die Gemeinde als Ganze sich um diese Menschen sorgt. Deshalb soll der Diakon diese Sorgen auch immer wieder in den Gottesdienst einbringen. Dort hat er übrigens ein eigenes liturgisches Gewand, so dass er immer leicht als Diakon zu erkennen ist und gut sichtbar für die Gemeinde am Gottesdienst teilnimmt. So steht er als Person sinnbildlich auch für die schwachen und armen Menschen mit am Altar.

Ordensmann/Ordensfrau

Viele von euch werden einen Ordensmann oder eine Ordensfrau leider nur noch aus dem Fernsehen kennen, dabei ist es ja klar, dass es im wirklichen Leben etwas anders zugeht als in einer Fernsehserie.
Die Klöster, die wir heute kennen, haben eine ganz lange Geschichte, die im 4. Jahrhundert nach Christus begonnen hat. Damals hat sich für die Christen viel verändert, weil sie im Römischen Reich lange Zeit wegen ihres Glaubens verfolgt worden sind. Mit der Zeit hat sich das Christentum dann immer weiter verbreitet und war schließlich auf einmal nicht mehr eine Religion, die verfolgt oder höchstens geduldet war und für die man Nachteile in Kauf zu nehmen hatte, wenn man sich zu diesem Glauben bekannt hat. Ende des 4. Jahrhunderts wurde das Christentum sogar Staatsreligion. Das war für die Christen der damaligen Zeit natürlich super. Endlich konnte man ohne Probleme Kirchen bauen, man konnte sich frei, und ohne sich um das eigene Leben sorgen zu müssen, zu Jesus Christus bekennen.
Aber: Jede Medaille hat zwei Seiten. Und so war mit diesen Vorteilen auch ein deutlicher Nachteil verbunden. Das Christentum wurde mit der Zeit träge, es waren Mitläufer dabei, die sich gar nicht so eindeutig entscheiden mussten, als Christ zu leben, wie das vorher der Fall gewesen war. Und das störte einige Leute ziemlich. Sie vermissten die Entschiedenheit, mit der Jesus Christus den Glauben vorgelebt und gepredigt hatte. Und so beschlossen sie, die Nachfolge von Jesus Christus in besonderer Weise zu leben, indem sie sich – wie Jesus Christus selbst ja zeitweise auch – in die Einsamkeit der Wüste zurückgezogen haben, um dort ganz intensiv mit Gott zu leben. Erst waren es einzelne, dann wurden es immer mehr. Und so haben sich dann auch manche von ihnen zusammengeschlossen und erste Gemeinschaften gegründet. Sie haben im Leben der drei evangelischen Räte (das steht für Ratschläge) stärker zu Jesus Christus gefunden.

Was waren das für „Räte“, und weshalb heißen sie „evangelisch“?
Nun, mit der evangelischen Kirche haben sie erst einmal wenig zu tun – die wurde erst viel später gegründet. Nein, sie heißen deshalb „evangelische Räte“, weil wir diese Ratschläge im Evangelium finden können.
Die drei „evangelischen Räte“ sind konkret: das Leben in Armut, das Leben in Gehorsam und das Leben im Verzicht auf Ehe und Familie. Damit wollen die Ordensleute deutlich machen, dass sie bereit sind, ganz auf Jesus Christus zu hören, für ihn und für ihre Mitmenschen da zu sein und seinem Auftrag zu folgen. Zur Zeit der Gründung der ersten Orden war das eine neue Form, den Glauben lebendig zu halten und dafür zu sorgen, dass die Kirche nicht zu bürgerlich wird und nur noch den Konventionen der Gesellschaft folgt.

Im 6. Jahrhundert hat der hl. Benedikt von Nursia diese Gedanken dann weitergeführt, indem er viele Menschen, die Jesus Christus in dieser Eindeutigkeit folgen wollten, in einem Kloster gesammelt und ihnen eine gemeinsame Regel gegeben hat. Diese Regel des hl. Benedikt war später schließlich auch für zahlreiche Neugründungen von Ordensgemeinschaften leitend. Denn seitdem gibt es viele, ganz unterschiedliche Ordensgemeinschaften. Sie reagieren in der Art und Weise, wie sie die Nachfolge Jesu jeweils konkret leben, immer auf bestimmte Anfragen der Zeit und bereichern die Kirche mit den unterschiedlichen Schwerpunkten, die sie in ihrer Art der Nachfolge Jesu setzen. Ganz grob kann man zwei Arten von Ordensgemeinschaften unterscheiden: die kontemplativen Orden (z.B. die Karmelitinnen oder Trappisten), die ihren Schwerpunkt im Gebet haben, und die aktiven Orden, die sich sozial und in der Seelsorge engagieren (z.B. die Vinzentinerinnen oder die Franziskaner).

Säkularinstitute

Eine neue Entwicklung sind auch die sogenannten Säkularinstitute. Wer bis Mitte des 20. Jahrhunderts sein Leben in der Nachfolge Christi in Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit führen wollte, trat meist in ein Kloster ein. So wurde die Lebensentscheidung für Christus öffentlich – Schleier oder Kutte waren und sind weithin sichtbar. Als nach dem ersten Weltkrieg bei vielen Christen der Wunsch wuchs, nach den evangelischen Räten zu leben, ohne dies durch äußere Zeichen der Öffentlichkeit zu zeigen, schlossen sich einige von ihnen in Säkularinstituten zusammen. 1947 wurden diese Schritte von Papst Pius XII. offiziell bestätigt.

So gehen Leute, die sich in einem Säkularinstitut zusammenschließen ganz „normal“ einer Arbeit nach und sind nach außen hin nicht erkennbar als jemand, der bewusst ein Leben mit Jesus Christus führen will. Auch leben sie nicht unbedingt in einer Gemeinschaft zusammen. Sie leben „in der Welt“, wie das alle anderen Menschen auch tun. Aber eben in der besonderen Verbindung zu Jesus Christus. Auf diese Weise wollen sie den Alltag mit Gott zusammen bringen.

Religionslehrer/in

Einen weiteren Beruf der Kirche kennt ihr aus der Schule: den Religionslehrer/die Religionslehrerin. Was die so alles tun, wißt ihr wohl selbst am besten. Aber auch hier gilt: Es ist nicht nur die fertige Unterrichtsstunde, die den Religionslehrer ausmacht. Entscheidend ist auch hier die Vorbereitung, die Zeit braucht, damit der Unterrichtsstoff spannend und abwechslungsreich dargestellt werden kann. Darüber hinaus kann man sich als Religionslehrer/in in der Seelsorge der Schule engagieren - mit eigenen Angeboten etwa bei Orientierungstagen oder in der Gestaltung von Gottesdiensten. Wie die anderen Lehrer, haben die Religionslehrer ebenfalls an der Universität oder an einer pädagogischen Hochschule studiert, um euch Schülern das Wissen über den Glauben gut vermitteln zu können.
Auf jeden Fall hat man viel mit jungen Menschen zu tun und kann auch Kinder und Jugendliche ansprechen und neugierig machen, die in der Gemeinde nicht auftauchen und sie auf diesem Weg für den Glauben begeistern und Wissen über Religion vermitteln.

Kirchenmusiker/in

Ein wichtiger Dienst in der Kirche ist auch die Gestaltung der Musik. Das kennt ihr ja aus den Gottesdiensten, die ihr in eurer Gemeinde feiert. Es wird gleich schöner und festlicher, wenn eine gute Musik den Gottesdienst bereichert. Der hl. Augustinus hat die Bedeutung der Kirchenmusik einmal treffend formuliert als er sagte: „Wer singt betet doppelt.“ Damit meinte er natürlich weniger das Singen der Lieder aus den Charts als die religiösen Gesänge. Auf jeden Fall ist es für uns wertvoll, den Gottesdienst musikalisch zu gestalten. Oder könnt ihr euch eine Messfeier ohne Musik vorstellen?
Zum Glück gibt es deshalb viele, die die Gottesdienste ehrenamtlich musikalisch gestalten. Es braucht aber auch Leute, die dies, z.B. in großen Pfarreien oder in der Ausbildung der ehrenamtlichen Kirchenmusiker, als Beruf ausüben.
So wird durch eine gute Kirchenmusik das Lob Gottes in ganz besonderer Weise verbreitet und die Freude, die der Glaube uns gibt, auch nach außen hin sicht- und hörbar.

Mesner/Küster/Sakristan

Auch dies ist eine Aufgabe, die Frauen und Männer ehrenamtlich oder als festen Beruf ausüben können. Jedenfalls ist es ganz wichtig, dass es jemanden gibt, der sich im ganz wörtlichen Sinne um die Kirche kümmert. Jemand, der danach schaut, dass das Kirchengebäude ordentlich und aufgeräumt ist, dass die Türen aufgeschlossen, die Anlagen rund um den Kirchbau gepflegt und vor allem die Gottesdienste vorbereitet sind. Denn wie könnten wir eine Messe feiern, wenn wir kurz vorher in der Sakristei feststellen müssten, dass es leider keinen Wein gibt oder dass die Kohlen für den Weihrauch gerade ausgegangen sind?
Der Mesner (Küster/Sakristan) sorgt dafür, dass das nicht passiert. Er leistet damit einen wichtigen Dienst, obwohl man es oft auf den ersten Blick gar nicht merkt, weil vieles davon im Hintergrund geschieht. Aber gerade ihr Minis wisst, dass ohne diese Arbeit vieles nicht funktionieren würde. Und nicht selten sind Mesner und Mesnerinnen für euch auch wichtige Ansprechpersonen, die euch mit Rat und Tat zur Seite stehen – und zwar nicht nur, wenn es um euren Ministrantendienst geht.

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