Feste im Jahreskreis

Advent

Der 1. Advent ist der Beginn des Kirchenjahres. Es ist ja eigentlich komisch, dass das Kirchenjahr nicht am selben Tag beginnt wie das „normale“ Jahr – zudem liegt der 1. Advent immer wieder auf einem anderen Datum. Warum das so ist? Der Beginn der Adventszeit wird jedes Jahr vom Weihnachtsfest her bestimmt. Es wird einfach vom 25. Dezember an rückwärts gezählt. Vier Sonntage müssen vor dem Weihnachtsfest liegen. Der erste davon ist dann der 1. Advent.
Das Wort „Advent“ stammt, wie so vieles in der Kirche, aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „Ankunft bzw. Erwartung“. Die Adventszeit heißt so, weil wir uns in dieser Zeit auf die Ankunft Gottes in unserer Welt vorbereiten, die wir am Weihnachtsfest, dem Geburtstag Jesu, feiern. Mit Weihnachten ist es genauso, wie bei Festen, die ihr daheim feiert, wie z.B. euren eigenen Geburtstag oder den Geburtstag eurer Eltern: Da ist es gut, nicht einfach so in ein solches Fest hineinzustolpern. Und so wie ihr euch auf Feste, die ihr daheim feiert, vorbereitet, ist es auch gut, dass wir uns auf die großen kirchlichen Feste vorbereiten. Dafür gibt es vor Weihnachten die Adventszeit und vor Ostern die Fastenzeit. Und deshalb war die Adventzeit früher sogar ebenfalls eine Fastenzeit, um sich neu auf Gott hin auszurichten.
Denn das Eigentliche ist in der Vorbereitung auf ein Fest wie Weihnachten nicht die Frage, was es zu essen gibt, ob die Wohnung und das Zimmer ordentlich aufgeräumt sind und ob der Christbaum schön geschmückt wird. All diese äußere Vorbereitung gehört dazu und ist gut. Entscheidend ist, dass wir uns mit unserem Herzen auch innerlich vorbereiten, damit wir erkennen, wo Gott in mein Leben treten will.
Deshalb gibt es im Advent besondere Feiern, etwa die Rorate-Gottesdienste bei Kerzenschein, Frühschichten der Jugend in der Pfarrei oder auch das gemeinsame Gebet daheim in der Familie vor dem Adventskranz. Immer spielt dabei das Licht eine Rolle: zum einen macht es den Advent zu einer besonders schönen Zeit, weil es draußen schon früh dunkel ist und der Kerzenschein dadurch besonders intensiv wirkt, aber vor allem sind die Kerzen ein Symbol dafür, dass wir Jesus Christus, das Licht der Welt, erwarten. „Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht.“ So sagt es der Prophet Jesaja, diese Verheißung dürfen wir uns zu Eeigen machen.
Es ist ein gespanntes Warten, ein freudiges Erwarten. Keine Langeweile oder Trägheit.
So beginnt also das Kirchenjahr, in ganz bewusster Vorbereitung auf das Kommen Gottes. Ein guter Start!

Weihnachten

Warum feiern wir Weihnachten eigentlich am 25. Dezember? In der Bibel findet man ja eigentlich kein Datum, das die Geburt Jesu festlegt. Und warum feiern wir nicht häufiger im Jahr, dass Gott in unsere Welt kommt. Warum gibt es diesen festen Termin? Gott ist doch immer bei uns…
Das liegt an einem Fest, das die Römer gefeiert haben. Das Christentum hat sich ja nach dem Tod Jesu schnell im ganzen römischen Reich ausgebreitet. Und schon bald wollten die ersten Christen ein festes Datum haben, an dem sie Jesu Geburt feiern konnten. Als sie einen geeigneten Termin für diesen Tag suchten, stießen sie bei den Römern auf das Fest des „unbesiegbaren Sonnengottes“, des „sol invictus“. Da dachten sie: Das könnte auch eine gute Beschreibung für Jesus Christus sein, denn Jesus ist für uns Christen das „Licht der Welt“; denn Jesus hat sich selbst von Leid und Tod nicht bezwingen lassen, sondern uns in seinem Sterben sogar das ewige Leben geschenkt. Und deshalb haben die ersten Christen an diesem Tag die Geburt unseres Herrn Jesus Christus gefeiert und damit dem alten römischen Fest einen viel tieferen Sinn gegeben.

Epiphanie – Fest der Heiligen drei Könige

12 Tage nach Weihnachten feiern wir das Fest der „Erscheinung des Herrn“, das vor allem als das Fest der Hl. 3 Könige bekannt ist. Dabei ist in der Bibel nirgends davon die Rede, dass es drei Könige waren, die nach Bethlehem kamen, um die Geburt dieses kleinen Kindes zu feiern. Weder von Königen ist die Rede. Noch von der Zahl drei. Diese ergibt sich daraus, dass es drei Gaben sind, die – wie es in der Bibel heißt – die Weisen aus dem Morgenland Jesus bringen. Sie schenken ihm, Gold, Weihrauch und Myrrhe, um ihm als dem wahren König der Welt zu huldigen. Deshalb sind diese Weisen, die damit zeigen, worauf es in der Welt ankommt, selbst zu Königen geworden. Denn auch die Herrscher dieser Welt müssen erkennen, dass ihre Macht begrenzt ist, dass sie keine Allherrscher sind und dass ihr Wirken beschränkt ist. Wenn sie daher wirklich weise sind, suchen sie den wahren Herrscher der Welt und finden ihn in Jesus Christus. Das ist die Weisheit, die die größten Herrscher der Welt aufbringen. Das feiern wir am Dreikönigstag.
Heute ziehen viele Kinder und Jugendliche an diesem Tag als Sternsinger durch die Straßen, um für bedürftige Kinder in der ganzen Welt Geld zu sammeln und den Segen Gottes zu den Menschen zu tragen. Sie führen damit das fort, was die Weisen aus dem Morgenland begonnen haben. Sie machen sich auf den Weg, um sich für das einzusetzen, was letztlich zählt und Bestand hat: Der Einsatz für andere und die Suche nach dem großen Gott, der unser Leben in seinen Händen hält und uns mit seinem Segen schützt.

Aschermittwoch

Nach den Fastnachtstagen beginnt mit dem Aschermittwoch die Zeit der Vorbereitung auf das Osterfest. Sie dauert 40 Tage - genau so lange, wie Jesus selbst in der Wüste gefastet hat. Die „Fastenzeit“, wie die Österliche Bußzeit umgangssprachlich genannt wird, ist deshalb auch für uns eine Zeit, in der wir auf das verzichten, was wir zum Leben nicht unbedingt brauchen. So bemühen wir uns, frei für Gott und für unsere Mitmenschen zu werden, denen wir uns in dieser Zeit besonders zuwenden wollen. Viele spenden deshalb etwa den Betrag, den sie sonst vielleicht für Süßigkeiten und andere Genussmittel ausgeben würden, für Bedürftige. Manche nehmen sich in diesen Tagen der Vorbereitung auf Ostern aber auch vor, mehr Zeit für das Gebet oder für Gottesdienstbesuche zu nehmen.
Übrigens: Wenn ihr genau nachzählt, werdet ihr feststellen, dass die Sonntage nicht zur Fastenzeit zählen und damit vom Fasten ausgenommen sind. Nur ohne die Sonntage kommt man auf die Zahl 40, wenn man die Tage von Aschermittwoch bis Ostern zählt. Das hat einen einfachen Grund: An einem Sonntag ist Jesus von den Toten auferstanden; deshalb feiern wir an jedem Sonntag sozusagen ein kleines Osterfest und die Freude darüber ist größer als alles Fasten und aller Verzicht.

Karfreitag

Der Karfreitag ist ein Tag, bei dem einem das Wort „feiern“ gar nicht so leicht über die Lippen kommt. Können wir etwa „feiern“, dass Jesus am Kreuz gestorben ist? Können wir uns über den Tod eines Menschen freuen? Das geht natürlich nicht. Und doch ist auch der Karfreitag ein „Feiertag“. Denn wir erinnern uns an diesem Tag nicht deshalb an den Leidensweg und Tod Jesu, weil er gestorben ist, sondern weil er für uns gestorben ist. Das ist ein ganz wichtiger Unterschied. Weil Jesus bereit war, am Kreuz für uns Menschen zu sterben, sind wir von Schuld und Tod befreit. Seine Hingabe und seine Liebe für uns Menschen ist so groß, dass er sogar bereit ist, für uns zu sterben. Und in seinem Sterben ist er nicht gescheitert: Bereits bei seinem Tod am Kreuz erkennt der römische Hauptmann, der bei der Kreuzigung dabei war: „Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn.“ Und dass wir Jesus dafür dankbar sind, zeigen wir ihm noch heute, wenn wir uns in der Karfreitagsliturgie ganz bewusst an seine Hinrichtung und an seinen Tod erinnern.

Ostern

Und dann kommt Ostern, das wichtigste Fest im ganzen Kirchenjahr! Ostern ist das Fest, an dem wir das Leben feiern. Jesus, der drei Tage zuvor am Kreuz gestorben ist, ist nicht mehr bei den Toten zu finden. Er ist vom Tod auferstanden und lebt wieder! So merkwürdig ist diese Botschaft, dass diejenigen, die zuerst davon hören und dies mitbekommen – die Frauen, die ans Grab gehen; die Jünger, denen die Frauen das erzählen – es (fast) nicht glauben können. Sie brauchen eine ganz schön lange Zeit, bis sie kapieren, was sich da ereignet hat. Sie brauchen die Begegnung mit dem auferstandenen Jesus, der mit ihnen eine lange Wanderung macht (Emmaus-Jünger, vgl. LK 24) oder dessen Wundmale sie berühren dürfen wie der hl. Thomas (vgl. Joh 20,24-29). Erst mit der Zeit erkennen die Jünger auf diese Weise, was tatsächlich an Ostern geschehen ist: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Jesus hat ihn gerade durch sein Sterben besiegt und überwunden. Obwohl er am Kreuz gestorben ist, bleibt er doch lebendig und kann den Jüngern neue Hoffnung geben.

Pfingsten

Wenn also nun Jesus auferstanden ist und den Tod bezwungen hat, dann müsste man ja meinen, dass die Jünger sofort loslaufen und allen davon erzählen, dass sie allen Menschen sagen: Ihr braucht nicht traurig sein, wenn jemand, den ihr gerne habt, stirbt, weil der Tod überwunden ist und Jesus uns neues Leben schenkt. Doch das passiert erst einmal nicht. Die Jünger erzählen diese Botschaft nur untereinander weiter. Ansonsten gehen sie ihrer ganz normalen Tätigkeit nach und treffen sich lediglich immer wieder privat. So waren sie auch am 50. Tag nach Ostern wieder einmal zusammen, gemeinsam mit Maria, der Mutter Jesu, und beteten. Und mit einem Schlag wird alles anders. Auf einmal merken sie, dass sie nach draußen auf den Marktplatz gehen und allen Leuten erzählen sollen, was sie erfahren haben. Für jeden Menschen auf der Welt haben sie die Botschaft: Jesus ist auch für Dich gestorben und auferstanden, er ruft auch Dich zur Umkehr, damit deine Sünden vergeben werden können!
Jetzt ist das natürlich so eine Sache, weil Menschen auf der ganzen Welt verschiedene Sprachen sprechen. Und doch ist das für die Jünger kein Problem. Jeder hört sie in seiner Sprache reden. Das ist das große Wunder von Pfingsten. Manchmal verstehen wir einander nicht, obwohl wir die gleiche Sprache sprechen. Und an Pfingsten können plötzlich alle die Botschaft der Jünger verstehen – egal welche Sprache sie sprechen.
Das ist das Wunder, das der Heilige Geist bewirkt. Er schafft es, dass die Jünger, die eher verschüchtert unter sich geblieben waren, nach draußen gehen und anderen die frohe Botschaft von Jesu Tod und Auferstehung verkünden. Und er bewirkt, dass viele ihnen zuhören wollen und alle sich dabei gegenseitig verstehen können.
Deshalb heißt es oft auch, dass wir am Pfingsttag den Geburtstag der Kirche feiern. Denn erst, nachdem die Jünger von ihren Erfahrungen berichtet haben, können sich neue Menschen ihnen anschließen und gemeinsam den Glauben an Jesus Christus leben.

Fronleichnam

An Fronleichnam feiern wir, dass Jesus Christus in der Eucharistie, im gewandelten Brot, unter uns gegenwärtig ist. Jesus hat am Gründonnerstag das letzte Abendmahl mit seinen Jüngern gefeiert und schon dort die Apostel dazu aufgefordert, dass sie dieses Mahl auch feiern sollen, wenn er nicht mehr bei ihnen ist. Er sagte ihnen, dass sie dann erfahren dürfen, dass er im gebrochenen Brot und im Wein lebendig unter ihnen da sein wird. Das ist ein wunderbares Geschenk, das wir in jeder hl. Messe miteinander feiern.
Am Gründonnerstag erinnern wir uns daran in besonderer Weise. Allerdings liegt dieser Tag in der Karwoche und ist unmittelbar mit dem Kreuzestod Jesu verbunden. Deshalb ist das natürlich kein guter Tag, um ein großes Fest zu feiern und die Freude darüber auszudrücken. Denn schon am Tag darauf, am Karfreitag, erinnern wir uns an sein Leiden und seinen Tod.
Deshalb hat man im Laufe der Geschichte gemerkt, dass es einen weiteren Tag im Jahr geben sollte, an dem wir uns voller Freude daran erinnern können, dass wir in der Feier der Eucharistie, in den Gaben von Brot und Wein erfahren dürfen, dass Gott bei uns ist. So hat sich das Fronleichnamsfest entwickelt.
An diesem Tag gehen wir mit dem Allerheiligsten, der gewandelten Hostie, die in einer feierlichen Monstranz getragen wird, aus der Kirche hinaus und ziehen durch unsere Straßen. Wir beten auf den Wegen und machen an verschiedenen Orten Station, wo wir für die Menschen in unserer Stadt beten und den Segen für sie erbitten. Indem wir nach dem Gottesdienst die Kirche gemeinsam verlassen und in der Prozession durch unseren Ort ziehen, bringen wir zum Ausdruck, dass Gott mitten unter uns da ist, dass es eine große Freude ist, dass er uns nicht allein lässt, sondern uns begleitet. Aus diesem Grund ist es an vielen Orten üblich, dass zur Verehrung Gottes in der Eucharistie Blumenteppiche gelegt werden, der Musikverein den Prozessionszug begleitet, Fahnen getragen werden und vieles mehr.

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